Einer wie Müller

Seit 1992 schafften 206 Schweizer Fussballer den Sprung ins Ausland (nicht einberechnet sind Spieler aus dem Nachwuchs). Letzte Saison kamen 40 davon in einer der fünf Topligen Europas zum Einsatz. Die grosse Datenauswertung der Berner Zeitung zeigt, wer die besten Chancen hat. Und stellt den typischen Schweizer Fussballer vor.

Der typische Fussballspieler...

...ist Innenverteidiger

Auf welchen Positionen die Schweizer im Ausland spielen

Der typische Fussballspieler...

... kommt aus Zürich

Wo die Schweizer Auslandprofis geboren wurden

Der Prototyp des Schweizer Fussballers im Ausland

Der durchschnittliche Schweizer Auslandprofi ist zwischen 180 und 185 Zentimetern gross, Innenverteidiger und beim Wechsel ins Ausland 23-jährig. Und er hat zuvor in der Schweiz entweder einen oder zwei Transfers im Profibereich vollzogen.

Auf Patrick Müller, mittlerweile 40-jährig, einst Nationalspieler und langjähriger Captain bei Olympique Lyon, treffen beinahe sämtliche dieser Kriterien zu. Als er 2000 ins Ausland ging, war er 24-jährig und hatte zuvor auf Profistufe den Klub einmal gewechselt. Er ist 182 Zentimeter gross, er war Innenverteidiger.

Er, der den häufigsten Nachnamen der Schweiz trägt (2017 über 27 000 Einträge bei Search.ch), ist der Prototyp des Schweizer Fussballers im Ausland. Und mit insgesamt 167 Einsätzen in einer der fünf Topligen Europas (England, Spanien, Deutschland, Italien und Frankreich), 5 Meistertiteln in Frankreich, 35 Partien in der Champions League und 82 Länderspielen ist er auch einer der erfolgreichsten der Geschichte.

Rangliste

Der Prototyp

Patrick Müller
Er, der den häufigsten Nachnamen der Schweiz trägt, ist der Prototyp des Schweizer Fussballers im Ausland.

Rangliste

Die Kleinsten

David Pallas
169 cm

Xherdan Shaqiri
170 cm

Innocent Emeghara
170 cm

Vincenzo Zinnà
170 cm

Rangliste

Die Grössten

Léo Lacroix
197 cm

Raphael Spiegel
197 cm

Fabio Coltorti
197 cm

Pascal Zuberbühler
197 cm

Der typische Fussballspieler...

... ist grösser als 180 Zentimeter

Wie gross die Schweizer im Ausland sind

Der typische Fussballspieler...

... spielt mit dem rechten Fuss

Mit welchem Fuss die Schweizer im Ausland spielen

Ben Khalifa und Lichtsteiner

Von einer Karriere wie jener von Patrick Müller können die meisten Schweizer nur träumen. Seit 1992 haben sich 206 im Ausland versucht, davon schafften es 132 in eine der fünf Topligen (nicht einberechnet sind Spieler aus dem Nachwuchs). Darunter befinden sich solche wie Nassim Ben Khalifa, der es bei Wolfsburg nur auf ein Bundesligaspiel brachte und heute bei St. Gallen unter Vertrag steht.

Andere wie Ciriaco Sforza und Stéphane Henchoz konnten sich dagegen über ein Jahrzehnt auf hohem Niveau behaupten.

Mit 363 Spielen in den Topligen bringt es Stephan Lichtsteiner, Captain des Nationalteams, mit Abstand auf die meisten Einsätze. Und sein Werdegang ist vorbildlich. Über GC, Lille, Lazio Rom kletterte er die Karriereleiter Tritt für Tritt nach oben, bis zu Juventus Turin. Dieses Jahr stand er zum zweiten Mal in seiner Karriere im Final der Champions League. Es ist das allergrösste Spiel im Klubfussball.

Dieses Resultat spricht für die These, dass es für einen Spieler besser ist, sich zuerst in den heimischen Profiligen durchzusetzen, bevor er den Schritt ins Ausland wagt.

Die grossen Bühnen Europas vor Augen wagen Jahr für Jahr junge Schweizer den Schritt ins Ausland. Darunter Teenager, die ohne Erfahrung auf Profistufe ihr Glück in den Nachwuchsabteilungen europäischer Topklubs suchen. Eine Studie der Swiss Football League zeigt, dass von den 14 Schweizern, die am 1. Oktober 2016 in einer der Topligen aktiv waren und gleichzeitig die Schweiz bereits vor dem 18. Geburtstag verlassen hatten, bisher nur Johan Djourou den Sprung ins Nationalteam schaffte. Dieses Resultat spricht für die These, dass es für einen Spieler besser ist, sich zuerst in den heimischen Profiligen durchzusetzen, bevor er den Schritt ins Ausland wagt.

Chapuisat und Knup

Einer, der diese Meinung auch vertritt, ist Hansruedi Hasler. Der 69-jährige Berner wurde 1995 Technischer Direktor des Fussballverbandes. In seiner Funktion entwickelte er das Nachwuchskonzept, das am Ursprung des Aufstiegs des Schweizer Fussballs steht.

Letzte Saison kamen 40 Schweizer in einer der fünf Topligen zum Einsatz. Zum Vergleich: 1992 waren es mit ­Stéphane Chapuisat und Adrian Knup nur 2 gewesen.

«Mit einer solchen Entwicklung konnte niemand rechnen», sagt Hasler – und nennt weitere Faktoren wie etwa das Bosman-Urteil von 1995, das besagt, dass Profifussballer in der Europäischen Union nach Ende des Vertrages ablösefrei zu einem anderen Verein wechseln dürfen. Zudem erwähnt Hasler die grosse Zunahme an Beratern und Agenten, die einen Auslandwechsel zuweilen aus Eigeninteresse lancieren würden, sowie die Internationalisierung der Klubs. Manchester United etwa beschäftigt über 100 Scouts. Aber längst nicht nur die Topvereine halten im Ausland nach Verstärkung Ausschau. Der Fussball hat sich globalisiert.

Ab ins Ausland...

... beim dritten Transfer

Der wievielte Transfer ins Ausland führte

Ab ins Ausland...

... spätestens mit 23 Jahren

Alter beim Wechsel ins Ausland

Weltkarte

Einige Beispiele von Schweizer Fussballern im Ausland

Rangliste

Die Teuersten

Ablösesumme in Millionen Euro

Granit Xhaka (Sommer 2016, von Mönchengladbach zu Arsenal), 45 Mio.

Breel Embolo (Sommer 2016, von Basel zu Schalke), 22.5 Mio.

Gökhan Inler (Sommer 2011, von Udinese zu Neapel), 18 Mio.

Rangliste

Die Wertvollsten

Marktwert in Millionen Euro

Granit Xhaka, 35 Mio.

Breel Embolo, 20 Mio.

Ricardo Rodriguez, 17 Mio.

Xherdan Shaqiri, 15 Mio.

Ab ins Ausland...

... für 20 Millionen Euro

Höchstwerte beim Transfer ins Ausland

Zakaria und Mvogo

Hasler findet, in der Schweiz habe es schon immer gute Fussballer gegeben. Aber ihre Ausbildung, technisch wie physisch, sei bis 1995 noch mangelhaft gewesen. Dort setzte das Nachwuchskonzept an. Mit dem EM-Titel der U-17 resultierte 2002 ein erster Höhepunkt.

Plötzlich richteten ausländische Klubs, Scouts und Agenten ihr Augenmerk auf die Schweiz. In den folgenden Jahren wechselten mit Reto Ziegler, Philippe Senderos und Tranquillo Barnetta die besten der U-17-Europameister ins Ausland. Damals galten Schweizer noch als günstige Arbeitskräfte, spätestens mit dem WM-Titel der U-17-Junioren 2009 hat sich dies aber geändert.

Dennoch schaffen Jahr für Jahr Schweizer den Sprung ins Ausland: 2015 wechselten 10 in eine der Topligen, 2016 9. Hasler, der heute für die Fifa tätig ist, rechnet jedoch nicht mit einer weiteren Zunahme. Er sagt: «Der Peak ist erreicht.» Bis jetzt gelang diesen Sommer neben den YB-Spielern Yvon Mvogo (Leipzig) und Denis Zakaria (Gladbach) nur Nicolas Haas (Atalanta) der Sprung in eine Topliga.

Seine Vermutung stützt Hansruedi Hasler, der nach seiner Verbandstätigkeit auch kurz bei den Young Boys angestellt war, auf der Einschätzung, dass bei der Schweizer Nachwuchsförderung das Potenzial ausgeschöpft sei. Fast alle Super-League-Klubs und gar mancher Verein aus der Challenge League wie Servette und Winterthur würde heute Jugendarbeit auf internationalem Niveau betreiben, sagt Hasler.

Vor 20 Jahren hätten erst GC und Servette vorzüglich gearbeitet. Die beiden Klubs zählen auch zu den erfolgreichsten Exporteuren von hiesigen Profis.

Patrick Müller, der Prototyp des Schweizer Fussballers, stammt aus dem Nachwuchs von Servette. Über die Grasshoppers schaffte er den Sprung ins Ausland.

Von wo wohin?

Die meisten gehen nach Deutschland

Die fünf Topligen mit den meisten Schweizer Spielern

Rangliste

Die meisten Einsätze

Stephan Lichtsteiner, 363
Valon Behrami, 294
Stéphane Henchoz, 292

Wenn Teenager die Schweiz verlassen

Oft wechseln bereits Talente im Schulalter ins Ausland – mit bescheidenem Erfolg.

Vielleicht sind sie die drei prominentesten Schweizer Fussballteenager, die sehr früh ins Ausland wechselten, versehen mit der Bezeichnung «Jahrhunderttalent» – und spektakulär scheiterten. Davide Chiumiento war 15, als er im Jahr 2000 von St. Gallen zu Juventus ging. Johan Vonlanthen war 17, als er 2003 von YB zum PSV Eindhoven ging. Und Nassim Ben Khalifa war 18, als er 2010 von GC zu Wolfsburg ging.

Keiner aus dem Trio schaffte es, sich im Ausland durchzusetzen, irgendwann kehrten alle drei zurück. Ohne Weltkarriere, ohne Starstatus, ohne die riesigen Erwartungen erfüllt zu haben.

Reizvolle Angebote

Die Tendenz, noch im Schulalter die Schweiz zu verlassen, hat sich deutlich verstärkt. Dutzende prächtige Nachwuchsakademien in den grossen Fussballländern locken die Begabungen aus aller Welt an. Die Konkurrenz ist riesig. Und wenn Premiumadressen wie Barcelona, Manchester United oder Manchester City rufen, wird manch ein Jüngling schwach. Oder Familienmitglieder. Oder alle zusammen. Andi Zeqiri, riesengrosse Sturmhoffnung aus dem Waadtland, zog es vor einem Jahr, kurz nach dem 16. Geburtstag, zu Juventus. 12 Monate später ist er zurück bei Lausanne. Immerhin mit der Hoffnung auf regelmässige Einsätze in der Super League.

«Ich verstehe jeden Jungen, der es probiert. Man trainiert jeden Tag in ausgezeichneten Anlagen, alles ist sehr professionell organisiert, man ist nahe bei den Profis, glaubt an den Durchbruch.»

YB-Spieler Kevin Mbabu

Ebenfalls 2016 brachen drei weitere Stürmer in die gelobten Kaderschmieden auf, um sich einen Platz in den Edelteams der Weltklubs zu ergattern. Obwohl die Chancen verschwindend gering sind. Nishan Burkart wechselte mit 16 von Zürich zu Manchester United, wo er letzte Saison regelmässig in der U-18-Auswahl eingesetzt wurde. Der Weg ins Luxuskader von Trainer José Mourinho ist indes noch weit und schwierig, selbst wenn Burkart ab und zu mittrainieren darf. «Ich verstehe jeden Jungen, der es probiert», sagt YB-Spieler Kevin Mbabu, der einst ebenfalls sehr jung von Servette zu Newcastle ging. «Man trainiert jeden Tag in ausgezeichneten Anlagen, alles ist sehr professionell organisiert, man ist nahe bei den Profis, glaubt an den Durchbruch.»

«Wunderkinder»

Noch höher bewertet als Zeqiri und Burkart wird Jérémy Guillemenot, mittlerweile 19, seit einem Jahr bei Barcelona. Der Romand tut sich schwer, sich einen Platz im zweiten Team zu erkämpfen, überzeugte aber bei seinen Einsätzen mit U-Mannschaften, etwa in der Champions League für Nachwuchsspieler. Ein weiteres «Wunderkind» (diverse britische Medien) ist Lorenzo Gonzalez, seit 12 Monaten bei Manchester City. Der 17-Jährige schoss 13 Tore in 16 Partien für die U-18-Mannschaft, soll bereits Startrainer Pep Guardiola aufgefallen sein – und ist doch meilenweit von Einsätzen in der Premier League entfernt. Zumal auch City auf dem Transfermarkt Hunderte von Millionen Franken ausgibt, gern für Offensivkräfte.

In der riesigen Akademie von Manchester City steckt mit Goalie Arijanet Muric zudem ein 18-jähriger Torhüter aus der GC- Jugend. Seine Fähigkeiten gelten als aussergewöhnlich. Wie jene der anderen erwähnten Toptalente, die nur die prominentesten Beispiele von helvetischen Teenagern sind, welche die Schweiz ohne Super-League-Erfahrung verlassen haben. Oftmals sind es Junge mit Migrationshintergrund, die im Fussball die Gelegenheit zum sozialen Aufstieg sehen.

Es ist anzunehmen, dass mehrere von ihnen in die Heimat zurückkommen werden. Schweizer Klubs verfolgen ihren Werdegang. Vielleicht landet bald einer wie Guillemenot in Bern. Wie vor ihnen irgendwann auf ihren Irrwegen durch die Karriere auch Davide Chiumiento, Johan Vonlanthen und Nassim Ben Khalifa.

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Die meisten spielten bei den Grasshoppers

Welcher Club am meisten Spieler ins Ausland exportiert

Patrick Müller, der Prototyp des Schweizer Fussballers, stammt aus dem Nachwuchs von Servette. Über die Grasshoppers schaffte er den Sprung ins Ausland.

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